Apr
29

Hilft Klopfen auf eine Bier- oder Cola-Dose gegen Überschäumen?

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Dieser Frage haben sich schon viele Hobby-Physiker angenommen – zuletzt Stefan Raab und Johann Lafer. Anhand von unzähligen Selbstversuchen können Befürworter und auch Gegner dieser Theorie ihren Standpunkt belegen, wie in vielen Foren zu lesen ist. Umso schwieriger ist es, eine Antwort auf diese Frage zu finden – oder doch nicht?

Wenn es Beweise für und wider eine Theorie gibt, dann heißt das in der Regel, dass die Annahmen, unter welchen die Experimente durchgeführt wurden, nicht richtig sind. Mit anderen Worten: wenn die Dose bei Klopfen auf den Deckel bei manchen immer überschäumt und bei manchen niemals, dann haben beide nicht die gleiche Versuchsanordnung, sodass das Experiment offenbar bei beiden unterschiedlich abläuft. Anders lassen sich die Aussagen nicht erklären – es sei denn, es handelt sich um hartnäckige Verteidiger eines Mythos, die ein wenig flunkern.

Doch gehen wir dem Rätsel auf die Spur: In einer Cola- oder Bierdose befindet sich eine Flüssigkeit, die mit Kohlensäure versetzt ist. Durch den Druck hält sie sich in der Flüssigkeit, man sagt: Die Kohlensäure ist in der Flüssigkeit gelöst. Ohne den Druck hielten sich die kleinen Bläschen nicht in der Flüssigkeit, sondern lägen früher oder später als Gas praktisch oben auf und würden beim Öffnen der Dose entweichen.
Eine gut gekühlte Dose, die vor dem Öffnen nicht bewegt worden ist, würde nicht überschäumen. Das liegt daran, dass das Gleichgewicht zwischen Druck und Gas-Löslichkeit hergestellt ist. Bewegung und Wärme stören es. Dann drängt das gelöste Gas dazu, die Flüssigkeit zu verlassen. Wegen des fortbestehenden Drucks kann es das jedoch nicht. Sobald jemand die Dose öffnet, besteht der Druck aber nicht mehr und die Kohlensäure schießt samt mitgerissener Flüssigkeit aus der Dose.
Was passiert nun beim Klopfen auf die Dose? Man stelle sich die Ausgangssituation vor: Viele kleine Kohlensäurebläschen befinden sich in der Flüssigkeit in der Dose und haben sich auch an ihrem Rand abgesetzt. Theoretisch geschieht nun durch das Klopfen Folgendes: Der Druck im oberen Bereich der Dose, worauf auch geklopft wurde, wird nun ein wenig stärker, während sich zur selben Zeit die Löslichkeit des Gas-Flüssigkeitsgemisches verbessert. Das Gleichgewicht ist noch nicht ganz wiederhergestellt, sollte aber – je nach dem, wie stark die Dose zuvor geschüttelt wurde – genügen, um die Flucht des Gases soweit zu unterbinden, dass das Getränk nicht überschäumt.
Wer ganz auf Nummer Sicher gehen will, der öffnet die Dose nach dem Klopfen zunächst nur minimal bis es zischt und zieht dann ganz langsam weiter. Letztlich werden wir alle jedoch nur noch selten in die Verlegenheit kommen, eine geschüttelte Dose öffnen zu müssen, da dank des Dosenpfands diese weitgehend aus den Getränkemärkten und Supermarktregalen verschwunden sind.

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